Unlängst lese ich einen Beitrag über social detox. Der Beitrag erregt insofern meine Aufmerksamkeit, da ich in meiner Tee-Bar einen Teebeutel finde, auf dem herbal detox steht. Folglich entgiftet oder entschlackt man nicht mehr, sondern man detoxt. Die Methode bleibt gleich. Die Detoxifikation, detox ist die Kurzform davon, ist demnach eine Methode, den Körper von Giftstoffen und Schlacken im Körper zu befreien. Wissenschaftlich ist der Nutzen nicht belegt, da sich der Körper ohnedies selbstständig von den „Schlacken“ – die es angeblich auch nicht gibt – zu befreien versteht. Hat man vor einigen Jahren noch eifrig mit Birkenblätter-Getränken, Brennesseltees oder Milch-Semmelkuren Wunder versprochen, so ist es ums Entgiften und Entschlacken still geworden. Mit dem neuen Zauberwort detox sollen wohl neue Erwartungen hinsichtlich Entgiftung geschürt werden. Und ja, in dieser giftigen Zeit, mag man sich gar nicht mehr nur auf den Körper beschränken, sondern auch die Gedanken, Gefühle und Gewohnheiten zum Entgiften miteinbeziehen. Das social detox meint dabei hauptsächlich das Social-Media-Fasten. Es muss letztlich jeder für sich entscheiden, wann es zuviel ist, zuviel Unsinn vor allem, den man sich reinzieht, weil man einfach hängen bleibt – unlängst bei der Deutschen Akademie für Waldbaden, zum Beispiel – ja, dort kann man sich zur Waldbaden-Trainerin ausbilden lassen, oder ich bleibe bei der Waldgärtnerin hängen, obwohl ich eigentlich zum Account der Wunder-Wandersocken will, die Blasenfreiheit an stark strapazierten Wanderfüßen über 100 km versprechen.
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Wie wäre es aber mit einem Buch, das heute am „Tag des Buches“ in aller Munde ist.
Wie Franz Kafka bereits feststellte: „Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.” Gerade in unserer vergifteten Zeit geht nichts über ein gutes Buch. Es kann den Kopf wieder gerade rücken, um den Blick zu weiten, es kann unserer Sinne anregen und unser Herz wärmen. Die Buchhandlungen boomen und sind stets gut besucht, gut so. Ob es an den vielen bunten Tassen, Duftseifen in blumigen Papieren, Duftkerzen oder den lustigen Socken, die zwischen den Bestsellern viel Ladenfläche bekommen, liegt, wer weiß das schon? Wer Bücher liebt, sollte jedenfalls seine Bücher nicht bei Jeff Bezos bestellen, sondern im Geschäft kaufen, damit die Buchhandlungen nicht dasselbe Schicksal erfahren, wie die Musikgeschäfte, die nach und nach verschwinden.
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Beim Nachhausegehen gehe ich schließlich schnurstracks in die stadtgrößte Buchhandlung, um mir an diesem „Tag des Buches“ auch ein Buch zu kaufen. Ich flaniere durch die Stockwerke, beginne mit dem obersten Stockwerk, da ich auch auf der Suche nach einer Wanderkarte bin, die sich im letzten Stockwerk befinden, wo sich auch eine kleine Abteilung des einst traditionsreichen Musikgeschäftes der Stadt befindet, die sich dort nun auf den Verkauf von Schallplatten reduzieren. Ich finde den exakten Ausschnitt der Wanderkarte, die ich lange suche und begebe mich in Schmökerlaune in das untere Stockwerk zur Literatur. Ich kämpfe mich durch die Frühlingsedition der Seifen, Heferl, Toilletttäschen, Füller und Socken zur Belletristik. Es wird schließlich ein Buch, das genau meinem Begehren nach Literatur aus dem Osten enspricht, geschrieben von einer Frau aus Aserbaidschan und übersetzt von einer Frau aus Kasachstan. Zufrieden reihe ich mich in die Schlange an der Kassa ein, vergesse aber zuvor nicht mich an den Frühlingsseifen und Söckchen zu bedienen. Kann man ja, muss man aber nicht.
Frau Krautundrübe