Es ist wieder der 5. des Monats, und die Tagebuchblogger*innen finden sich bei Frau Brüllen ein, die fragt #WMDEDGT, oder „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“.
Ich wache zum Ostersonntag erstmals um 4 Uhr morgens auf, da die Osterjause vom Karsamstag infolge des außerordentlichen Fleischkonsums in Form von Geselchtem, Osterkrainern, Hartwürsten und kaltem Schweinebraten schwer in meinem Magen verdaut. Ich bereite einen Tasse Krätertee und lande bei einer Doku im Fernsehen, bei der es um einen Pilgerweg in Osttirol geht. Wunderschöne Bilder, aber viel zum Kraxeln auf richtigen Klettersteigen, also nichts für mich. Ich entscheide mich nach der Tasse Tee für Weiterschlafen und wache kurz vor 9 Uhr zu einem strahlend sonnigem Ostersonntag auf. Ich nehme ein kleines Frühstück ein, das hauptsächlich aus Radieschen, grüner Paprikaschote und einem kleinen Stück Käse besteht. Der Kaffee will mir nicht gelingen, ich bereite zusätzlich eine Kanne türkischen Schwarztee mit Bergamotte vor.
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Im Garten sprießt und gedeiht es. Die Magnolienblüten sind endlich aufgeblüht, die Pfirsich- und Marillenblüten sind noch in der Aufblühphase, jetzt darf es bloß nicht kalt werden. Insgesamt ist es hier im südlichen Österreich viel zu trocken, seit Wochen gibt es keinen Regen. Vor meinem Fenster sehe ich schon Scharen von Wandernden, die sich meinen Hausberg vornehmen, die einen zielstrebig, die anderen den Weg suchend und die Schilder lesend. Ich überlege kurz, da ich meinen Hausberg gerne für mich alleine habe, entscheide mich schließlich aufgrund des schönen Wetters für den Berg. Die Wandernden verteilen sich, ich bleibe die meiste Strecke alleine. Auch im Wald und auf der Höhe sprießt es in zartem Grün. Mit Sorge beobachte ich, wie sich entlang des Wanderweges der Sommerflieder ausbreitet und erinnere mich an den Aufruf vom Vortag in den Nachrichten, ein Verkausverbot für den Kirschlorbeer anzudenken, der ebenfalls ein beliebter schnellwachsender Gartenstrauch ist. Beide zählen aber zu den invasiven Pflanzen, die sich unheimlich schnell ausbreiten, wenig zur Biodiversität beitragen, da die Blüten nicht einmal für Insekten nützlich sind. nach 500 steilen Höhenmetern erreiche ich den Gipfel meines Kogels. Hier versammeln sich viele Menschen, die den Ausblick genießen. Ich trete sogleich den Abstieg über eine andere Route an, beim Rückweg durch eine Siedlung mit vielen Einfamilienhäusern zähle ich in jedem Garten zumindest einen Sommerflieder und einen Kirschlorbeer – einschließlich in meinem eigenen Garten.
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Zu Hause vermisse ich die Krautundrüben-Herren, die mir in einer Nachricht ihre Rennradausfahrt ankündigen. Ich genieße die Sonne im Garten, die mir bei den plötzlichen 24 Grad fast zu warm ist. Jedenfalls lese ich noch zwei Kapitel von Lukas Matzinger, Ohne Kalaschnikow schlaf ich schlecht. Ein Reiseroman. Lukas Matzinger, Reporter bei der österreichischen Zeitung „Falter“, berichtet über seine Reise in einem alten VW von Wien nach China und wieder zurück, auf eine sehr unkonventionelle Art, den Begegnungen einen breiten Raum einräumend. Jedenfalls lese ich mit großem Interesse das Kapitel über Osama bin Ladens Haus in Abbottabad in Pakistan, wo er bis zu seiner Auffindung durch US-Spezialkräfte lebte. Das Haus wurde abgerissen, um zu keinem Pilgerort zu werden. Jetzt befindet sich dort eine Freifläche, wo Kinder Besuchende um Geld anbetteln und Jugendliche mit Drogen dealen, wie Matzinger beschreibt. Egal, ob Südosttürkei, Kirgisistan, Pakistan oder die Insel Hormuz im Iran, die heute in aller Munde ist, – bei Lukas Matzinger wird nichts romantisiert, keine Bilder der „schönen, armen Menschen“ in folklorisierter Manier, sondern die bittere Realität. Ich freue mich jedenfalls auf die nächsten Kapitel.
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Der Krautundrüben-Sohn ist schließlich vom Bahnhof abzuholen, ich freue mich über sein Kommen und wir plaudern ausgelassen. Er erzählt von einer schwierigen Woche. Die Rennradler fahren schließlich auch in der Hauseinfahrt ein und es wird eine weitere Osterjause vorbereitet.
Ich mache es mir schließlich vor dem Fernseher bequem, um die letzten Auftritte der Tatort-München-Kommissare Batic und Leitmayr anzusehen. Ich halte gut durch, schlafe aber doch streckenweise ein, und versuche die Handlungsstränge mit dem auch nicht aufmerksam folgenden Herrn Krautundrübe zu rekonstruieren.
Am meisten Freude bereitet mir aber die Tatsache, dass ich nach Zaudern und Zögern, bei ständig steigenden Flugpreisen und noch höheren Zugpreisen, mich durchringen konnte, endlich den Flug nach Kiruna zu buchen.
Österliche Grüße,
Frau Krautundrübe