Ja. Nein. Vielleicht doch nicht. Gelesen

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Ich freue mich prinzipiell immer, wenn ich auf neue Autor*innen stoße, meistens sind es Buchempfehlungen aus Zeitungen, wie auch das Buch von Sarah Lorenz Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken. Oft aber besorge ich mir fast automatisch das neue Buch einer Autor*in, die ich bereits kenne und die mir meist gefällt. So habe ich mit Freude festgestellt, dass Doris Knecht mit Ja, nein, vielleicht wieder einen neuen Roman veröffentlicht hat, der als die ideale Urlaubslektüre eingepackt wird und mir ein wohltuender Lese-Ausgleich zum vorhergehenden Buch von Sarah Lorenz sein soll.

Worum geht es in diesem Buch?

Die Ich-Erzählerin lebt in einer Wohnung in der Stadt und in einem Haus auf dem Land. Sie lebt ohne Partner, ihre Kinder sind bereits ausgezogen und sie arrangiert sich einigermaßen gut mit dem Alleinsein, dementsprechend geordnet läuft ihr Leben ab. Auch zum Älterwerden versucht sie ein gesundes Verhältnis aufzubauen, was durch einen lockeren Zahn in Folge von Zahnfleischrückgang leicht strapaziert wird. Als ihre Schwester kurzentschlossen in ihre Stadtwohnung zieht, sieht sie sich veranlasst, gemeinsam mit ihrem Hund in ihrem Haus am Land zu verbleiben, einzig die Besuche beim Zahnarzt führen sie noch in die Stadt. Während eines Einkaufs in der Provinzhauptstadt trifft sie auf Friedrich, einem Freund von früher. Die Begegnung irritiert die Ich-Erzählerin, sie überlegt, ob sie für eine neue Beziehung mit Friedrich bereit wäre. Anlass zu diesen Überlegungen bietet auch die Verlobung ihrer Freundin Therese, die die Ich-Erzählerin auch bittet, ihre Trauzeugin zu werden. Ein gravierendes Ereignis bringt der ich-Erzählerin schließlich Klarheit und schließt den Kreis.

Was ich zu diesem Buch zu sagen habe:

Doris Knecht ist zwar mittlerweile eine renommierte Autorin in der österreichischen Literaturszene, kommt aber eigentlich aus dem Feuilletonbereich. Sie schreibt seit vielen Jahren in österreichischen und schweizerischen Zeitungen Kolumnen, wo sie hauptsächlich zu gesellschaftlichen Themen Stellung nimmt. Bekannt ist sie für ihren trockenen Humor und die leicht ironische Art und Weise, ernste Themen zu behandeln. Ihre Bücher haben einen starken autobiographischen Zug. Es geht in ihren Geschichten im Grunde um ihr Leben als Frau, Mutter und Freundin, ihre Figuren beschreiben stets eine bestimmte städtische gesellschaftliche Gruppe. Das Buch schließt direkt an die Geschichte des vorigen Buches Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe (2023 erschienen) an, das für mich das beste Buch von Doris Knecht ist. Es wird der Auszug der Kinder und der Wechsel in eine neue Lebensphase gleichermaßen ironisch, sentimental und hoffnungsfroh dargestellt, sehr flüssig und authentisch geschrieben. Die 237 Seiten dieses Buches haben sich für mich allerdings gezogen wie ein Strudelteig. Die Auswahl der Themen – Schwester mit Eheproblemen, alter Bekannter und beste Freundin, die ihr Glück im Alter findet – empfinde ich als langweilig und extrem aufgesetzt, fast bemüht. Dazu kommt wenig sprachlicher Pfiff. Einzig dem Ende kann ich einiges abgewinnen. Ich freue mich jedenfalls auf das nächste Buch von Doris Knecht, weil in echt kann sie es besser.

Mein Fazit:

Ja. Nein. Vielleicht doch nicht.

* Das Buch von Doris Knecht, Ja, Nein, Vielleicht ist in sämtlichen österreichischen Buchhandlungen seit Wochen an 1. Stelle im Ranking unter „Neuerscheinungen Romane“.

 

Frau Krautundrübe

 

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