Alles sehr exquisit

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Es gibt vor dem Sommer noch so viel zu tun, aber der Sommer ist eigentlich schon da, zumindest die Temperaturen betreffend. So überkommt mich letzte Woche in Klagenfurt im Rahmen meiner Vorlesung nach zwei Stunden Vortragen in einem intensiv sonnenbeschienen Hörsaal eine leichte Kreislaufschwäche. Ich erhole mich nach ein paar Schluck Wasser schnell und kann die Vorlesung gut zu Ende bringen. Detto einen Tag darauf in einem Hörsaal an der Uni Graz, bereits zur fortgeschrittenen Abendstunde, aber vollkommen überhitzt, verschwindet während ihrer Präsentation aufgrund einer Kreislaufschwäche eine arme Studentin kreislaufbedingt hinter bzw. unter dem Vortragspult. Trotz kaltem Wasser erholt sich die Arme nur langsam. Die Suche nach einer Fernbedienung für die Klimaanlage bleibt vergeblich, weil es einfach auch keine Klimaanlage in den Uni-Gebäuden gibt. Ein Aufrüsten wird wohl nicht möglich sein. Das würde nämlich noch mehr Budget abverlangen, wo die Unis in Österreich doch einem strengen Sparkurs unterworfen werden sollen. Um meinen Unmut darüber auszudrücken, schließe ich mich am folgenden Tag sogar dem Demonstrationszug an, allerdings nicht wegen der fehlenden Klimaanlagen, sondern wegen der bevorstehenden Einschränkungen in Forschung und Lehre.

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Ein Unwort ist ein Ausdruck der Sprachkritik. Es bezeichnet Begriffe, die diskriminierend, irreführend, verharmlosend oder sachlich unangemessen sind und das demokratische Miteinander oder die Menschenwürde verletzen. Ziel der jährlichen Wahl zum „Unwort des Jahres“ ist es, die Öffentlichkeit für einen bewussteren Sprachgebrauch zu sensibilisieren.

Unwort meint also herkömmlich Wörter, die irreführend und manipulativ sind und von einer Sprachjury als solche definiert werden, wie Sondervermögen, Rabattpickerl oder Lifestyle-Teilzeit. Gerne polarisieren diese Wörter wie z. B. Klimaterror, Herdprämie, Humankapital. Mein persönliches Unwort ist Teuerung. Es entspricht zwar nicht den Kriterien der Unwort-Fachjury, weil das Wort sinngemäß weder manipuliert, noch irreführt, sondern die grausame und harte Realität in einem einfachen Wort vermittelt.

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Der Teuerung kann man sich schwer widersetzen, sie überrascht, holt ein, lauert auf und schlägt immer wieder von neuem zu. So zahle ich unlängst in meinem Drogeriemarkt für meine bevorzugte Zahncreme mit einem Inhalt von 75 ml 7,49 Euro, das enstpricht einer Preissteigerung innerhalb der letzten Jahre von 30 %. Die Teuerung verleitet zudem zu ausgesprochen unsozialem Verhalten, indem ich beispielsweise diese exquisite Zahncreme vor den restlich anwesenden Krautundrübens verstecke, die mit einer entsprechend günstigen XXL Zahncreme mit 125 ml Inhalt um 1,79 Euro ihr Auskommen fristen. Besonders bewacht wird unlängst eine kleine Wassermelone, nicht größer als ein Babykopf, die ich bei 30 Grad im Schatten in Sommerlaune kaufe. Nichtsahnend gehe ich zur Kasse, wo das kleine Ding abgewogen wird. Zertifiziert als Bio-Wassermelone aus Österreich bezahle ich schließlich über 9 Euro. Obgleich sie hervorragend schmeckt, wird sie nicht mit den anwesenden Krautundrübens geteilt, sondern überdeckt mit einem Berg Karotten im Gemüsefach versteckt, was allerdings ob der Kleinheit der Melone nicht schwierig ist.

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Gerade als ich mir überlege, wo das mit der Teuerung hinführen wird, öffne ich die untere Schublade meines Schreibtisches, wo ich nach einem Kaugummi krame. Ich sehe zwar keinen Kaugummi, aber unter einem Papierstoß finde ich eine kleine Packung bunte Dinkelnudeln (Dinkel Bunte Spiral Nudeln) aus einem Hofladen in der Steiermark, dazu ein Rosmarin-Basilikum Pesto, ein kleines Fläschchen Steirer Bitter, drei Kaffeekapseln und ein Zirbengelee aus den Kärntner Nockbergen (unklare Verwendung bei baldigem Ablaufdatum), an die ich lange nicht mehr gedacht habe. Ich suche nach einem neuen Versteck, weil ja – psst, psst, psst – alles sehr exquisit ist.

 

Frau Krautundrübe

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