Es gibt vergangene Begebenheiten, die in der kollektiven Wahrnehmung in Erinnerung bleiben, wie die erste Mondlandung, das Attentat an J.F. Kennedy, der Olympiasieg von Franz Klammer bei der Ski-Abfahrt am 5. Februar 1976, der Sieg Österreichs gegen Deutschland bei der Fußball-WM am 21. Juni 1978 und der Reaktorunfall von Tschernobyl am 26. April 1986, der sich vor nunmehr 40 Jahren ereignete. Ich weiß noch genau, was ich damals als junges Mädchen gemacht habe, als mich die Nachricht über den Reaktorunfall erreichte und mir blieb eine ausgeprägte Anti-Atom-Haltung bis heute, die ich mit vielen Menschen teile.
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Haltung zeigt auch Josef Hader in seinem aktuellen Programm Hader on Ice gestern im Volkstheater in Wien, ein Geschenk, auf das ich mich sehr freue, da es wieder Gelegenheit bietet, nach Wien zu fahren. Ich quartiere uns in der Pension in der Lange Gasse ein, reserviere einen Tisch in der Gastwirtschaft zur Stadt Paris in der Josefstädter-Straße und für nach der Vorstellung einen Tisch im Cafe Eiles.
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Das Volkstheater ist gut besucht, wobei es im Gegensatz zum Burgtheater auch viel kleiner ist. Wir haben sehr gute Plätze, auf der Bühne steht bloß ein Hocker und ein kleiner Tisch, dahinter ein die Bühne einnehmender geraffter Vorhang. Josef Hader betritt die Bühne, ganz in Schwarz gekleidet. Und beginnt mit seinem Programm, ich bin überrascht, da es nicht so zu werden scheint, wie ich es mir erwartet habe, wobei ich die älteren Programme von Josef Hader nicht kenne. Ich bin jedenfalls auf Kabarett eingestellt, auf lustig und lachen, was es letztendlich eigentlich nicht ist, zumindest nicht in dem Ausmaß, wie man sich das für ein Kabarettprogramm erwartet. Josef Hader stellt sich selbst als seine schlechteste Version dar. Er ist ein abgehalfterter Mann in den 60ern, der im Laufe seines Solomonologs zwischen Selbstironie, Größenwahn und Alkoholsucht pendelt. Es geht um Saufen, den Klimawandel, den Tod, Einsamkeit und das Altern, es ist eine Mischung aus tiefschwarzem Humor, politisch inkorrekten Ansichten und einer chaotischen Gedankenwelt. Es ist insgesamt eine düstere Grundstimmung, eine Abrechnung mit der Boomer-Generation, aber nicht in moralisierender Art und Weise, sondern mit einer sehr feinen Klinge, in der Art eines Zusammenspiels aus scharfzüngigem Humor und gesellschaftlicher Satire. Ich habe durchaus gelacht.
Kann man sich noch ein weiteres Mal ansehen.



Frau Krautundrübe