Es ist wieder der 5. des Monats, der Erste des Jahres und die Tagebuchblogger*innen finden sich bei Frau Brüllen ein, die fragt #WMDEDGT, oder „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“.
Der Tag ist heute sehr ruhig. Ich bin bedrückt, der Pubertier ist noch grummeliger als sonst und selbst Herr Krautundrübe feilt an seiner Besonnenheit, da die Krautundrübenkinder nach dem Weihnachtsurlaub wieder in die näheren und fernen neuen Heimaten abgezogen sind.
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Ich wache kurz nach sieben Uhr auf. Es ist noch dunkel, der Tag soll insgesamt trüb bleiben. Das Frühstück will mir nicht so recht gefallen, auch weil die Nachrichten im Morgenjournal nichts Gutes verheißen. Ein kurzes beschwingtes Gefühl kommt allerdings auf, als aus dem Radio der Eisenbahn-Dampf Galopp (oder Kobenhavns Jernbane-Damp-Galop) von Hans Christian Lumbye vom diesjährigen Wiener Neujahrskonzert unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin, der in diesem Stück hervorragend die Trillerpfeife bedient, schallt. Ein weiterer Beitrag im Morgenjournal erinnert mich an meinen heutigen Auftrag. BirdLife Österreich ruft auch dieses Jahr zwischen 3. und 6. Jänner zur Stunde der Wintervögel auf.
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Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Citizen Science Projekt, eine Mitmachaktion zur Erforschung der häufigsten Wintervogelarten. Ich zähle eine Stunde lang die Vögel in meinem Garten. Das heißt, ich konzentriere mich auf eine Ecke in meinem Garten mit der Forsythie und dem Ahorn, wo sich die Vögelchen gerne niederlassen. Davor bringe ich die Katze ins Haus, die am Fenster sitzend verwundert meine Blicke zu den Vögeln verfolgt. Ich stelle wiederum fest, dass die Vögel trotz – für unsere Verhältnisse zumindest – sibirischer Kälte sehr umtriebig sind, indem sie munter von einem Ast zum anderen hüpfen und paarweise flattern, was das Zählen erheblich erschwert. Aufgrund der Kälte drehe ich noch ein paar Runden im Garten, um weitere Vögelchen aufzunehmen. Ich identifiziere dabei Amseln, Spatzen und Meisen, auch Grünlinge, bin mir aber nicht sicher, ob nicht auch Finken dabei sind. Da der Tag so trüb ist und dadurch das Licht schlecht auf die Vögel fällt, sind die Farben schwer zu erkennen. Die Zahl der Amseln ist eindeutig zurück gegangen, was nicht nur am unstillbaren Amselhunger meiner Katze liegt, sondern an einer heimtückischen Krankheit, dem Usutu-Virus. Ich zähle viele Kohlmeisen, weniger Spatzen bzw. Haussperlinge, einen Stieglitz und Herr Krautundrübe möchte letztlich auch einen Grünling erkennen, die ich in den Meldebogen für 2026 eintrage und abschicke.
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Auf weitere Outdoor-Aktivitäten habe ich heute keine Lust. Es beginnt auch sehr fein zu schneien. Der Schnee legt sich in einer dünnen Schicht über den gefrorenen Boden. Im Haus wird wieder die Alltagsordnung hergestellt, sämtliches Weihnachtsklimbim bis auf den Christbaum in Kisten verpackt und weggeräumt. Wehmütig werfe ich noch einen letzten Blick auf die selbstgebastelten Weihnachtsengelchen. An meinem Haus ziehen Scharen von Kinder vorbei, die den Eislaufplatz stürmen. Wie schön, dass die Kälte das Schlittschuhlaufen auf Natureis erlaubt. Auch der Pubertier kramt Schlittschuhe und Eishockeyschläger hervor und macht sich auf den Weg. Schon lange war kein Eislaufen auf dem benachbarten Natureislaufplatz mehr möglich gewesen. Ich mache mich ans Kochen mit dem Ziel, die Reste aus dem Kühlschrank zu verwerten. Dabei stoße ich auf einen großen Block Tofu, sowie auf vegane Würstchen aus Erbsenproteinen, die für eventuelle vegatarisch-vegane Besucher*innen auf Vorrat angeschafft wurden. Ich entscheide mich für ein Tofugericht mit Stangensellerie und Reis.

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Mittlerweile ist es wieder dunkel geworden. Ich gehe nochmals in den Garten. Es schneit noch immer unausgiebig sehr feine Flocken. Vom Eislaufplatz her höre ich das Klacken der Eishockeyschläger, wenn sie den Puk abbremsen und wieder abstoßen. Ein glitzernder Lichtkegel umhüllt den Platz mit den vielen jungen Leuten. Es ist schön, wieder einmal einen richtigen Winter zu spüren.
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Den Abend lasse ich mit Stricken ausklingen. Ein weiterer Sofie-Schal diesmal in Blau soll meine Strickitis stillen. Ich beginne die Stille zu genießen und stelle mich langsam auf den Alltag ein. Da habe ich wohl auch keine andere Wahl, oder?
Frau Krautundrübe
Ohh, Stunde der Wintervögel, gute Idee!
Gleich mal geschaut, wann das in Deutschland wieder sein soll, vielleicht vergesse ich es dieses Mal nicht (wobei ich das Gefühl habe, dass das Zählen da auch die Kleinste übernehmen könnte, weil kaum noch was durch unseren Garten fliegt – außer Familie Krähe ;))
Oje Krähen! Die finden es bei uns im Garten offenbar nicht so interessant!