#WMDEDGT 02/24

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Lanckoronski 1890, 55

Es ist wieder der 5. des Monats und die Tagebuchbloggerinnen finden sich wieder bei Frau Brüllen ein, die fragt #WMDEDGT, oder „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

Ich werde um 6 Uhr durch Weckerläuten unsanft geweckt, vielmehr nach 7 Stunden und 47 Minuten aus dem Schlaf gerissen, wie mir mein Wecker gestern bei der Eingabe der Aufstehzeit angibt. Gut ausgeschlafen um 6 Uhr morgens habe ich keine Eile, da ich mich für Homeoffice entscheide, obwohl ich montags gerne zur Arbeit gehe, vor allem wenn ich das Wochenende zu Hause verbringe. In meinem Büro sind Elektro-Installationsarbeiten angekündigt, zu Hause hat zwar der Dachdecker den Termin verschoben, aber der Pubertier fühlt sich kränklich mit Halsschmerzen und Husten und sieht auch dementsprechend aus, sodass er nicht zur Schule gehen wird, womit ich nicht gerechnet habe und worüber ich mich auch nicht freue, vor meinem geistigen Auge leert sich der Kühlschrank und türmt sich das Geschirr, das er den ganzen Tag über anpatzen wird.

Ich sitze bald nach dem Morgenkaffee gegen sieben Uhr in meinem Arbeitszimmer am PC, würde gerne Mails beantworten, weil ich die Arbeitswoche gerne strukturiert beginne und Mails sich in einer bestimmten Reihenfolge beantworten lassen. Außerdem beginnt man den Tag beim Beantworten von Mails mit dem Gefühl, bereits viel erledigt zu haben. Es gibt allerdings frühmorgens noch keine neuen Mails in meinem Posteingang, sodass ich meine Dateien zum Weiterschreiben öffne, obwohl mein Kopf noch ungeordnet ist. Ich bin noch immer beim Kapitel zur Forschungsgeschichte und bei den Seefahrern und frühen Reisenden stehen geblieben. Das Kitab-ı Bahriye des Piri Reis liegt leider in meinem Büro. Trotzdem recherchiere ich dank Online-Ausgaben und bleibe bei der Weltkarte des Piri Reis hängen. Unglaublich wie der osmanische Admiral Piri Reis im Jahr 1513 diese Darstellung des Zentralatlantiks auf Pergament aus Kamelhaut zeichnete. Ich suche eigentlich eine skizzenhafte Darstellung der türkischen Südküste mit der Insel Zypern, die ich nicht finden kann und schließlich auf die Buchlektüre verschiebe. Ich widme mich nochmals den Beschreibungen und Karten von Francis Beaufort, auf den die Windstärkenskala zurück geht, die in seinem Buch „Karamania, or a brief description of the south coast of Asia-Minor“ beschrieben und veröffentlicht sind. Beauforts Englisch aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts ist für mich schwer zu lesen und ich bin froh, als ich das Buch gegen Mittag durchgeackert habe.

Der Himmel ist blau, es hat mindestens 17 Grad und es fegt ein stürmischer Föhnwind, der vor allem den Winterstaub hochwirbelt. Ein Draußen-Mittagskaffee ist deshalb ungemütlich. Der Pubertier möchte Latein-Grammatik abgeprüft werden. Ich lerne, dass cum + Konjunktiv Perfekt Passiv mit ’nachdem‘ und Indikativ Aktiv übersetzt werden muss. Ich bedaure den Pubertier, der mir hustend einen dankbaren Blick zuwirft, wobei er große Latein-Fortschritte macht. Inzwischen fällt mir ein, dass meine Studis heute nach Athen fliegen. Ich schicke ein kalo taxidi in die Whats App Gruppe, erfahre aber sogleich, dass sie bereits in Athen angekommen sind und die Abfahrtsstation zum großen Busbahnhof suchen. Ich schicke ihnen nochmals den Link und koche dem Pubertier Brokkolicremesuppe. Ich überlege kurz ins Fitnesscenter zwecks Cardio-Einheiten zu gehen, entscheide mich aber für Weiterlesen der Reiseberichte der Südküste der Türkei. Graf Carl Lanckoronski bereiste schließlich Ende des 19. Jahrhunderts die Südküste der Türkei. In seiner Delegation dabei waren Zeichner, Vermesser, Fotographen und auch Ärzte. Die Berichte lesen sich unglaublich leicht, trotz sehr genauer Beschreibungen lassen sich die Texte fließend lesen. Ich bewundere die detailtreuen Zeichnungen und die genauen Angaben.

Am Nachmittag benachrichtigen mich meine Studierenden, dass sie beim großen Busbahnhof in Athen angekommen sind und im Überlandbus nach Tripolis sitzen, obwohl sie kein Online-Ticket gelöst haben und kein Barticketkauf möglich wäre. Ich sollte mich schuldig fühlen, da ich den Studis abgeraten habe, ein zeitgebundenes Online-Ticket zu kaufen für den Fall, dass sie später zum Busbahnhof kommen, obwohl bereits auf der Homepage angeführt ist, dass man nur mit gültigem Online-Ticket befördert wird.

Ich beginne am späteren Nachmittag mit der Vorbereitung für meine nächste Vorlesung im Sommersemester. Vielleicht ist der Stapel an Fachliteratur zu groß, jedenfalls finde ich nicht in das Thema, oder die Buchstaben sind mir am späteren Nachmittag zu klein zum Lesen, die sich leider nicht, wie am Bildschirm, nach Belieben vergrößern lassen. Ich finde von einem Buch tatsächlich eine Online-Ausgabe, vergrößere die Seite, habe schließlich keine Lust auf Agglomerations- und Clustertheorien und besinne mich einmal mehr auf meine Grunddaseinsfunktionen oder Daseinsgrundfunktionen.

 

Frau Krautundrübe

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