Blaubeerkuchen

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Meine Botanikkenntnisse beschränken sich vordergründig auf Pflanzen, die in meinem Garten wachsen und blühen. In höheren Regionen erkenne ich zum Beispiel Arnika, Johanniskraut, Enzian, Edelweiß und Eisenhut, sowie Steinpilze und Eierschwammerl, Himbeeren, Brombeeren und Schwarzbeeren schnell. So kommt es, dass ich unlängst beim Wandern auf einem Sattel auf ein Meer aus bereits reifen Schwarzbeeren stoße. Nach einer ausgiebigen Kostprobe suche ich vergeblich nach einem geeigneten Behälter zum Transportieren meiner Ernte. Da die Beeren stark abfärben, überlege ich und opfere schließlich die Hülle meiner Regenjacke. Mit meiner – wegen der beschränkten Transportmöglichkeit – eher bescheidenen Ernte kehre ich nach Hause zurück.

Meine Ernte

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Ich beschließe, die Schwarzbeeren/Heidelbeeren/Blaubeeren nicht alleine für mich – etwa in einem Joghurtbrei – zu verwerten, sondern auch der Rest der Familie soll etwas davon haben. Dabei erinnere ich mich an ein Kuchenrezept, das ich schon vor einigen Jahren im Sommer aus einer Zeitschrift entnommen habe. Nachdem ich es zwischendurch einmal sehr intensiv suchte, habe ich es in mein Buch gegeben. Ich öffne den Schrank, wo viele Kochbücher gestapelt liegen, und finde mein Buch, in dem ich seit den 1990er Jahren Rezepte relativ beliebig sammle. Kochen zählte noch nie zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, die vielen Kochbücher gehören Herrn Krautundrübe, der auch gerne kocht und Kochbücher sammelt.

Das Buch
Mein bewährtes Kuchenrezept und Tortenrezept seit vielen Jahren

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Das Buch sieht sehr mitgenommen aus. Das liegt daran, dass in diesem Buch ein paar wichtige Rezepte stehen, die ich mehrmals im Jahr verwende. Kochen ist für mich immer etwas sehr Stressiges und Haptisches. Es wird gepatzt, gespritzt, muss schnell gehen und darf nicht anbrennen. Ich öffne das etwas angekleckerte Buch und finde mein Leben seit den 1990er Jahren in Rezepten in unterschiedlichster Form – handgeschrieben von mir, handgeschrieben von lieben Menschen, viele Rezepte aus Zeitungen. Das von mir gesuchte Kuchenrezept finde ich in wenigen Sekunden, da es ganz oben im Umschlag des Buches liegt. Ich blättere trotzdem das Buch durch, in das ich seinerzeit in schöner Handschrift mit Tinte Tipps zur Pflanzenpflege, zum Basteln (hab ich wirklich einmal gebastelt?),Tipps für Geschenke und  eben Kochrezepte, darunter viele türkische und griechische Rezepte, die ich nach meinen Reisen als junge Studentin akribisch sammelte (wobei es beim Sammeln blieb!). Besonders sind die handgeschriebenen Rezepte von lieben Menschen, die immer wieder Erinnerungen an bestimmte Situationen wecken. Es ist auch bemerkenswert, wie sich Essensmoden ändern. So kam offenbar bereits in den 90er Jahren Bärlauch und Tofu in Mode. Getreide wurde Hardcore verkocht, sodass wir tagelang Bauchweh hatten, bis die „sanften“ Getreidesorten wie Hirse, Buchweizen und Grünkern in den 2000er Jahren – zumindest in der Frau-Krautundrüben-Küche – den Durchbruch schafften. Viele hunderte Hirselaibchen, Grünkernbratlinge und Buchweizenlaibchen landeten im Magen der Krautundrüben-Kinder und bis heute gibt es Vorrat im Krautundrüben-Gefrierschrank für schlechte Zeiten. Seit den 2020er Jahren kamen auch Quinoa-Laibchen mit Chia-Samen zum Laibchen-Repertoire dazu.

Tipps
Keine Erinnerung, aber ziemlich Griechisch
Der Kräuterpfarrer Weidinger fehlt
Abschiedsgeschenk vom Jagdaufseher im Schloss Eggenberg
Vom Jagdaufseher persönlich
Oft gekocht damals
Von einer ganz Lieben
Bester Pizzateig von noch einer ganz Lieben
Hat super geschmeckt
Dieses Rezept habe ich nie verstanden
Wird wieder probiert
Mediterrane Begeisterung

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Mein größter Schatz in meinem Buch ist ein handschriftlich vererbtes Rezept meiner geliebten, aber bereits verstorbenen Großmutter einer Sachertorte. Dieses Rezept kommt mehrere Male im Jahr zum Einsatz und wird gehütet wie ein Schatz.

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Seit mehreren Jahren sammle ich keine Rezepte mehr. Ich suche Rezepte im Internet und nehme entweder die mit 5 Sterne Bewertung oder die, die mir am besten gefallen. Oft kann ich mich nach einem Jahr nicht mehr an das Rezept im Internet erinnern und suche nach einem neuen Rezept, das vielleicht noch besser ist.

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Vor mir liegt das leicht vergilbte Blatt mit dem Rezept für den Blaubeerkuchen. Ich betrachte das Bild, überlege noch, welche Kuchenform ich dafür verwenden soll und lese die Zutatenliste. Ich gehe zum Kühlschrank, um die Schwarzbeeren abzuwiegen. Ich sehe gerade noch  das Pubertier Kind 3 mit einem Schälchen in der einen Hand und einem Löffel in der anderen, wie er auf die Gartenbank zusteuert, um es sich dort gemütlich zu machen. Ich drehe mich um und sehe einen leeren Becher Joghurt, einen Stabmixer und eine leere Schale mit zwei zerquetschten Schwarzbeeren. Süßer Ausklang?

Blaubeerkuchen anno 2004?

 

Frau Krautundrübe

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