Der Alltag überlagert wieder sämtliche Befindlichkeiten

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Der Alltag überlagert schnell wieder sämtliche Befindlichkeiten. Das kalte Wetter hält an, ich fahre bei -14 Grad C in die Arbeit und gegen Mittag hat es noch immer Minusgrade, was die Tage irgendwie auflockert. Man ist viel mit Anziehen und Ausziehen gegen die äußere Kälte und Teetrinken gegen die innere Kälte beschäftigt. So bestreite ich meine ersten Arbeitstage nach den Feiertagen in Schiunterwäsche und dicken Wandersocken, dazu ein dicker Winterpulli und gefütterte Stiefel. An den Weihnachtsferien wird für alle Uni-Gebäude die Heizung radikal zurück gedreht. Dementsprechend gut vorbereitet trete ich den ersten Arbeitstag an. In den Gängen ist es zwar eisig kalt, aber die Büroräume sind gut geheizt. Auch die Kollegin vom Büro nebenan freut sich, ihren irischen Winterpulli auszuführen. Beim Teekochen in der Gemeinschaftsküche werden unterschiedliche Teesorten ausgetauscht, es kommt sowas wie Schihütten-Feeling auf.

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Der Arbeitseinsatz beschränkt sich auf ein gewisses Maß. Ich checke meine bevorstehenden Vorlesungen und möchte neue Ergebnisse einarbeiten. Dabei kommt mir das hervorragende Referat in den Sinn, das mir der Pubertier gestern übungsmäßig vorgetragen hat. Es ging um den nachhaltigen Einsatz von Geothermie, das er im Fach Physik präsentieren muss und worüber er mir eine sehr anschauliche Präsentation liefert. Ich lobe den Pubertier, der mir stolz erklärt, dass das alles ChatGpt ausspuckt, wenn man die Fragen und Aufträge nur gut genug anlegt. Ich fühle mich innerlich aufgefordert, den Pubertier zu schimpfen, was ich schließlich auch halbherzig mache, bin aber gedanklich einen Schritt weiter.

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So sitze ich an meinem Bürotisch und habe wenig Lust auf das Gestalten von PPT-Folien. Ich will es schließlich wissen, füttere ChatGpt mit Angaben für meine Lehrveranstaltung und warte gespannt auf das Ergebnis. Wenn es klappt, könnte es ja tatsächlich eine enorme Zeitersprnis für mich darstellen. Nach zehn Sekunden baut sich ein langer Text auf meinem Bildschirm auf. Ich beginne erwartungsvoll zu lesen, breche aber ab, da dieser Text ausschließlich inhaltsleeres Blabla liefert. Auch die Folien sind unbrauchbar. Ich bin nicht überrascht. Es hätte mich vielmehr erstaunt, wenn das Ergebnis brauchbare Folien gewesen wären. Wie ich aber wiederholt bemerke, ist der Text an sich sehr gut verfasst, allerdings reihen sich die Sätze ohne wirklichen Bezug zueinander und mit Floskeln versehen aneinander, wobei es über das Thema einen ausführlichen Wikipedia-Beitrag gegeben hätte, auf daen die KI offenbar nicht zugreift?

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Ich gehe durch den verschneiten Park in die Innenstadt zu einem beruflichen Termin. Die Gehsteige sind noch schneebedeckt, die Menschen sind in dicke Mäntel, Mützen und Schals gehüllt, selbst die Hunde sind in modische Wintermäntel gewickelt. Auf der Passamtswiese nutzen Gruppen von Kindern einen kleinen Hügel zum Rodeln, andere drehen mit Langlaufschiern publikumswirksam ihre Runden. Es scheint, als ob heute die Welt ganz selbstvergessen ein gutes Stück zusammenrückt.

 

Frau Krautundrübe

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