Die Sommertage, die eigentlich Frühsommertage sind und sich in den fruchtig-sauren Jostabeeren, den blutroten Kirschen und den süßen Johannisbeeren manifestieren, übertreffen sich von Tag zu Tag. Selbst die Rosen überwältigen heuer in ihrer Pracht. Es ist heiß, 34 Grad. Viele sagen, dass es keinen Übergang von Winter zu Frühling und Frühling zu Sommer gibt, da es entweder zu kalt oder zu heiß, zu feucht oder zu trocken ist.
Das Wetter ist jedenfalls kompliziert. Das spiegelt sich auch bei den Draußen-Aktivitäten wider. Dieses Wochenende steht der Materialcheck für die Sommerwanderung und ein Konzert am Programm. Nachdem das Konzert im Nordosten von meinem Zuhause stattfinden wird, wird auch der Wander-Materialcheck in den Norden – zumindest von meinem Daheim aus gesehen – verlegt. Der Wetterbericht für die anberaumte Destination in der Gleinkerau verspricht heiße Temperaturen, aber immerhin zu 80% Gewitter. Das bedeutet, dass wir keine Höhenmeter absolvieren werden, sondern die Kilometer in der Ebene ablegen, um der Gewittergefahr zu entgehen. Hohe Wolkentürme rahmen die Bergkulisse ein und lassen ein Gewitter wahrscheinlich werden, weshalb wir unsere Entscheidung auf Vermeidung von Höhenmetern begrüßen. Wir gehen den Sensenhammerweg in die Roßleiten zum Piesting-Ursprung. Die Blumenwiesen duften wunderbar und der Wald spendet den herrlichen Schatten, den es an solchen Tagen braucht. Schön ist schließlich auch das frische Wasser der Piesting, wo man sehr gerne die Füße kühlt. Letztlich regnet es keinen Tropfen und auch geblitzt und gedonnert hat es nicht. Dafür gewittert es ordentlich zu Hause, wo eigentlich das Wetter zu 100 % sonnig prognostiziert ist, und verursacht sogar einen Stromausfall, was den daheimgebliebenen Pubertier überfordert. Nachdem mittels Foto vom Stromkasten der Übeltäter eruiert werden kann, ist wieder Ruhe am Bildschirm.

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Nach unserer Runde, einer verdienten Abkühlung im Gleinkersee und einer Stärkung beim Seebauer-Wirt geht es ans Eigentliche. Wir wollen schließlich unsere Ausrüstung für unsere Sommerwanderung testen. Der mobile Schlafwagen bleibt diesmal am Parkplatz gut geparkt stehen, wir suchen die Zeltwiese vom Campingplatz am Gleinkersee und finden auch gleich ein schattiges Plätzchen mit Seeblick. Rucksäcke werden ausgepackt und Matten ausgerollt. Diskutiert wird über das Gewicht des Gaskochers, der nur 77 g wiegt, sowie die Unterlegmatte mit 500 g und das Besteck mit 25 g. Wir vergleichen unsere Merinoshirts, verzichten darauf vorerst aber zwecks kratziger Textur in Verbindung mit heißen Temperaturen. Am schwierigsten ist die Auswahl des Schlafsacks und des Zeltes. Während die Krautundrüben-Schwester – überzeugt von einem Kunstfaser-Schlafsack – bereits drei Umtausche hinter sich hat, da das Packmaß des Schlafsacks mit einer Wohlfühltemperatur von -5 Grad C nicht mit der Größe des Rucksacks korreliert, habe ich mein Idealmaß mit zwar 1,2 kg und Daune zugunsten einer Wohlfühltemperatur von -7,3 Grad C gefunden. Aufgrund der sommerlichen Temperaturen werde ich allerdings für diese Nacht auf den Diskounter-Leichtschlafsack mit einem Gewicht von 600 g zurückgreifen. Noch schwieriger ist die Auswahl des Zeltes. Seit Monaten beschäftige ich mich damit und hadere mit mir ob des Budgets. Es gibt nämlich superleichte Zelte mit nur 1,3 kg um 600 Euro. Möchte ich nun tatsächlich soviel Geld für ein Zelt ausgeben? Schließlich will man seine restlichen Urlaube nicht unbedingt in einem 107x227x102 cm großen Zelt verbringen? Auch die eingesparten Nächtigungskosten überzeugen mich nicht, sodass ich mich für einen anerkannten und hoch bewerteten Nachbau von 1,4 kg um weniger Geld entscheide.


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Es ist mir durchaus bekannt, dass sich viele sportlich aktive Menschen gerne ausrüsten. Das Ausrüsten ist mittlerweile ein wichtiger Werbefaktor im Sport geworden, indem uns suggeriert wird, dass wir für jede einzelne Sportart die jeweils geeignete Ausrüstung brauchen. Es ist für viele sogar ein Hobby. Ich zähle mich prinzipiell nicht zu diesen Menschen, weil ich mich nicht gerne mit dem Ausrüsten befasse. Laufschuhe, Bergschuhe, Trekkingschuhe, Skischuhe und Trailrunners werden ausgetauscht, wenn es wirklich sein muss – sehr oft mit Trennungsschmerz ob der langen Verbundenheit. Ich mag eigentlich auch Sportarten, die sich nicht zur Schau stellen, da ich mich selbst dabei auch nicht gerne zur Schau stelle, wo die Ausrüstung in erster Linie funktionell sein soll. Diesmal ist es aber anders, ich will schließlich das Optimale rausholen und mich bei der Sommerwanderung keinesfalls um die Ausrüstung kümmern müssen und mir meine eigene Unbekümmertheit vorwerfen. Deshalb doch Merinoshirt, Hightech-Regenjacke mit 10000 mm Wassersäule, Soto Windmaster mit Micro Regulator… Man rüstet sich halt!

Frau Krautundrübe