Die Sterne meinen es gerade nicht gut mit mir. Eigentlich habe ich sehr viel Arbeit und denke nur an die Arbeit, damit alles auch termingerecht fertig wird. Die Schlechtwetter-Wochenenden lassen mir Gott sei Dank nicht viel Entscheidungsspielraum offen. Ich arbeite. Wenn ich nicht an meinem Laptop sitze, denke ich daran, was ich sogleich arbeiten werde. Deshalb ist gerade auch alles ein wenig vernachlässigt, da ich nur das nötigste bewerkstelligen kann.
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Als ich unlängst allerdings im Morgenverkehr auf den Anhänger auffahre, der mit Gartenabfällen gefüllt war und von einem blitzblauen Skoda gezogen wurde, denke ich gerade nicht an die Arbeit. Es gibt eine Baustelle, die verursacht, dass zwei Spuren zu einer Spur zusammenführen. Das führt zu einem schleppenden Weiterkommen. Der Pubertier spricht mich an, was zur frühen Morgenstunde nicht selbstverständlich ist. Er will mich auf eine trockene Hautstelle in seinem Gesicht aufmerksam machen. Ich weise ihn zuerst ab mit den Worten, dass ich mich auf den schleppenden Verkehr konzentrieren müsse, schaue dann aber doch das Auto fahrend in sein Gesicht auf die rechte Wange und plötzlich macht es „Wumms“ und meine Stoßstange klebt am vorderen Anhänger. Der Pubertier schimpft, ich bleibe regungslos sitzen und rühre mich vorerst nicht. Alles, was ich tun muss im Falle eines Schadens, läuft vor meinem geistigen Auge ab. Ich kann unmöglich aussteigen, da die Autos auf der Nebenspur flüssig an mir vorbeifahren. Aus dem blauen Skoda, der den touchierten Anhänger zieht, steigt ein Herr, zwei weibliche Pubertiere steigen mit Schulrucksack aus. Ich kurble das Fenster hinunter. Er meint, dass ich ihm folgen soll. Ich fahre hinter ihm her auf einen ruhigen Parkplatz, der Pubertier schimpft noch immer. Endlich kann ich feststellen, dass nichts kaputt ist, außer einer leicht verbogenen Nummerntafel bei meinem Auto. Wir tauschen trotzdem Telefonnummern aus. Es ist nochmals gut gegangen, aber solche Unkonzentriertheiten mit Folgen beschäftigen mich den ganzen Tag und darüber hinaus. Der Pubertier schimpft bis zum Aussteigen, wohl kompensiert er damit seinen eigenen Schrecken.
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Als ich das schließlich in einen Blogbeitrag gießen möchte, stelle ich fest, dass meine Website nicht funktioniert. Das ist ärgerlich. Ich bekomme Nachrichten von User:innen, dass meine Website nicht funktioniert. Ich ahne, dass es an einem fehlerhaften Plugin oder Update liegen wird und weiß, dass ich das alleine nicht bewerkstelligen kann und nur der It-Hero helfen kann, der mein Problem auf seine Agenda nimmt. Nichts mit Bloggen vorerst.
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Als ich mich schließlich an einem Samstag Abend wieder an meinen Laptop setze, um einen Beitrag abzuschließen, der am nächsten Tag einen Tag vor der Deadline abgegeben werden soll, finde ich schnell in das Thema, obwohl meine defekte Website mir im Hinterkopf bleibt, da mir Defektes prinzipiell Unbehagen bereitet. Ich switche gerade zwischen dem Internet, wo ich für meinen Beitrag nach den korrekten Autoren- und Literaturzitaten suche, und meinem Word-Dokument, als auf einmal ein Bluescreen mit einem traurigen Smiley erscheint. Ich warte ab, es passiert nichts, ich schalte aus, ich warte, ich schalte ein, ich folge den Anweisungen und verbinde nochmals mit dem WLAN, es folgt ein durchdringendes Klingeln und ein QR Code, den ich öffne und der mir sagt, dass die Festplatte ein ernsthaftes Problem habe. Ich wiederhole diesen Vorgang einige Male, bis ich resigniere und mir bewusst ist, dass nichts mehr geht und ich keine externe Speicherung der Datei(en) vorgenommen habe. Es ist bereits fortgeschrittener Abend, als ich die seit langem nicht mehr verwendeten Geräte im Krautundrübenhaus gleichzeitig starte. Dabei ist mittlerweile bei zwei Geräten das Windows abgelaufen, aber das Internet funktioniert, bei einem Gerät geht alles, aber es ist alt und langsam, was meine Ungeduld zusätzlich befeuert. Ich logge mich bei einem der Geräte mit meinem Dienstaccount ein und siehe da die Dateien werden synchronisiert und ich kann über die Cloud meinen Beitrag fertigstellen. Große Erleichterung folgt, dass meine Arbeit der letzten Tage und Wochen nicht umsonst war. Es folgt bis heute umständliches Arbeiten auf sämtlichen Geräten, bis ich meinen treuen Begleiter, meinen Laptop, mit neuer Festplatte oder garantieneu ein Gerät bekommen werde, wie mir die IT-Abteilung zumindest bekundet.
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Als ich aufgeregt und freudig erregt wegen der nicht verloren gegangenen Daten in der Küchenlade zur Belohnung nach einem Stück Schokolade suche, spüre ich plötzlich durch meine Socken Wasser aufsteigen. Mein Blick fällt auf eine Wasserpfütze, die durch den nur wenige Monate alten Geschirrspüler verursacht wird. Ich ziehe den Geschirrspüler vorsichtig aus der Kücheneinrichtung heraus. Der Wasserschlauch ist trocken und tropft nicht, wohl aber kommt Wasser aus dem Gerät selbst. Der Kundendienst vertröstet mich auf nächste Woche.
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Als ich schließlich ein Mail von meinem IT-Hero bekomme, dass er mit mir über das Backup meines Blogs sprechen möchte, bin ich hoffnungsfroh. Ein Stück ist meine Welt auch wieder nach der Wieder-Herstellung meines Blogs in Ordnung. Sie wundern sich über das Fehlen der Fotos in den Blogbeiträgen von 2024? Das ist einem Missgeschick meinerseits geschuldet und wäre eine lange Geschichte…
Frau Krautundrübe