Gschichtl drucken

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Ich sehe am Tag nach dem Begräbnis der Queen noch ein Filmchen von einem Wachposten, der wohl zu lange am Sarg der Queen Wache hält und umfällt wie ein Brett. Die in meiner Kindheit gebetsmühlenartig auf mich niederprasselnden Credos warten in meiner Feuerwehr-im-Kopf auf ihren Einsatz. Diese Parolen und Leitsprüche klingen bis heute noch in den Ohren nach und flechten sich immer wieder in den Alltag ein. Es beginnt in aller Frühe beim Anziehen, wo stets darauf geachtet wird, dass jedes Familienmitglied eine frische Unterhose anzieht, da man zufälligerweise in einen Unfall verwickelt werden kann und ins Krankenhaus muss. Eben aus diesem Grund darf man das Haus nur aufgeräumt verlassen, möchte man das Daheim länger verlassen, um z. B. auf Urlaub zu fahren, ist sogar ein Durchputzen des ganzen Hauswesens angesagt, da man ja nie wissen kann, wer Zugang zum Haus benötigt. Noch immer überkommt mich ein mulmiges Gefühl, wenn ich unabsichtlich einen Kirschkern verschlucke und mir beim nächsten Glas Wasser vorstelle, wie der Kirschbaum langsam in meinem Bauch beginnt zu wachsen, wo die Äste sich schnell einen Weg durch den Körper bahnen, um bei den Ohren und Nasenlöchern in Büscheln herauszuwachsen, bis ich selbst im Boden Wurzeln schlage und im Garten stehe. Ich hüte mich, nach dem Essen zu schwimmen, um nicht wie ein Stein unterzugehen. Als begeisterte „Hofkinder“ aßen wir immer brav auf, damit es am nächsten Tag schönes Wetter gibt, weil nach Hause gehen wollten wir nie, obwohl morgen auch noch ein Tag war. Da wollte ich nicht die Gscheitere sein, die nachgibt, auch wenn der Dumme dann in den Bach fällt, aber besser als einen Stein am Kopf. Ich habe mir gemerkt, dass morgen auch noch ein Tag ist, wobei jeder Tag wegen der Kariesteufelchen mit Zähneputzen endet, weil sonst holt mich der Fuchs. Bis heute bekam ich Gott sei Dank vom Fernsehen keine viereckeigen Augen und meine Augen blieben beim Grimassenschneiden auch nicht stecken. (Wobei kaum ein dahingesagter Satz solche Wirkung bei den Krautundrüben-Kindern zeigte wie die viereckigen Augen vom Fernsehen. Pubertier Kind 3 wäre ein Meister im Schielen, wäre da nicht die große Angst, dass die Augen stecken bleiben.) Zurück zum armen Wachposten am Sarg der Queen, der umfiel wie ein Brett und zeigte, dass das Dabeihaben eines Traubenzuckers gegen die Unterzuckerung kein drucktes Gschichtl sondern Sache der Zuckerfee ist.

Frau Krautundrübe

 

Ein Kommentar

  1. Servus, es freut mich ,dass einige Credos in Erinnerung geblieben sind. Einige hast du jedoch vergessen. Die Wichtigsten, die gerne an den Kurrk-Nachwuchs weitergeben werden sollten: Bitte und Danke, sowie Grüß Gott und Auf Wiedersehen, öffnet Türen und Herzen. Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
    Herzlichst
    Kurrkp

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