Im Salon

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Erster Tag über 20 Grad. Alles blüht, zwitschert, rauscht und gurrt. Nachdem ich die Polster vom gelben Blütenstaub befreite, setzte ich mich erstmals in diesem Jahr in meinen Garten an meinen Laptop. Dabei stellte sich der gelbe Blütenstaub als richtige Plage heraus, da er sich über jede Fläche legte. Bemerkt hatte ich diesen lästigen Blütenstaub bereits letztes Jahr und führte ihn auf unsere am Bach wachsenden und stark blühenden Laubbäume zurück. Ich irrte mich, der Blütenstaub, den ich in diesem Ausmaß aus früheren Maitagen nicht kenne, kommt von den stark blühenden Fichten. Ungewöhnlich daran ist, dass die Fichten eigentlich nicht wieder blühen sollten in diesem Jahr, sondern erst nach größeren zeitlichen Abständen. Die Fichten sind gestresst, wen wundert es bei den warmen Wintermonaten!

Vergissmeinnicht

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Der Firmsonntag für Pubertier Kind 3 naht. Ich entschied mich gegen das Dirndl, aber für den Friseur. Der Friseur meiner Wahl ist ca. vier Minuten von meinem Zuhause entfernt. Er ist einer von zwei Salons in unserem Dorf. Während der mir unbekannte Salon einen Namen hat – nämlich Salon Brigitte und Conny – kann ich bei meinem Salon keinen Namen entdecken. (Für mich ist es der Friseur um die Ecke – ich recherchierte kurz im Internet, fand aber keine brauchbaren Hinweise.) Der Salon öffnet um 7 Uhr morgens, es gibt keinen Namen und keine Terminvergabe, und man benötigt viel Geduld. Ich entschied mich bereits gestern am Abend, heute um 7 Uhr am Morgen den Friseur aufzusuchen. Gegen halb 8 Uhr steuerte ich den Friseur an, ich erinnerte mich, dass nur Barzahlung möglich war und spazierte zum nahe gelegenen Bankomaten, um genug Bargeld für den Salon abzuheben. Als ich an die Straße kam, suchte ich zuerst den unauffälligen Eingang, sah zuerst das Haus der Tierärztin, dann das verlassen wirkende Vereinslokal der SPÖ und ein Schild der privaten Musikschule, die erst kürzlich dort eingezogen war. Wo war denn nochmals der Salon? Zwischen SPÖ-Vereinslokal und Musikschule war der leicht zu übersehende Eingang des Friseursalons, auf den in großen Lettern „Frisör“ stand. Ich öffnete die Türe und blickte in überraschte Augen, die wohl noch niemanden so früh erwartet hatten. Die Chefin begrüßte mich und fragte nach meinen Wünschen. Ich sagte meinen Namen und verwies auf die Farbkarte, die in einer Karteibox aufbewahrt wurde. Eine junge Dame, die ich dort bislang noch nicht gesehen hatte, führte mich an den Frisierstuhl. Ich setzte mich und um meinen Hals wurde ein Frotteehandtuch gewickelt und darüber folgte ein oranger Mantel. Der Salon besteht aus einem Raum in einem wirklich alten Gebäude mit einem richtigen Kreuzgewölbe. Die Wände sind orange ausgemalt mit einem 70er Jahre Touch, dazwischen ein wenig braun und gelb mit den üblichen Plakaten von Frisurenmodels. Nein – nein nicht ganz üblich, da die Plakate hauptsächlich ältere Damen zeigen, wo für silbergraue Haare Werbung gemacht wird. Angeblich ist der Trend zu grauen Haaren seit Corona gestiegen, nach kurzer Überlegung, wurde dann aber doch für mich die gewünschte Farbe vorbereitet. Vergleicht man meinen Dorf-Salon mit den hippen Salons in der Stadt, so fällt neben dem Mobiliar vor allem das Zeitmanagement auf, da man unter zwei Stunden kaum mit der Frisur fertig ist. Dafür bleibt ausreichend Zeit, das Echo der Frau, die Bunte oder die Freundin zu lesen, oder den Gesprächen zu lauschen. Inzwischen kam auch – hauptsächlich männliche – Laufkundschaft, die in zehn bis fünfzehn Minuten eine akkurat geschnittene Frisur verpasst bekamen. Darunter war ein alter Herr in seinem Sonntagsgewand, der schwer ging, und von seiner Pflegerin mit ausländischem Akzent begleitet wurde. Der Herr bekam einen Kurzhaarmesserschnitt verpasst. Die Pflegerin nützte auch gleich die Gelegenheit und ließ sich die Haare bei den Ohren ausschneiden. Aufschlussreich waren die Gespräche einer männlichen Kundschaft mit der Salon-Chefin während des Haareschneidens:

Sie: Und wie geht’s so?

Er: Ja passt eh.

Sie: Beschweren darf man sich eh nicht.

Er: Ja, man muss zufrieden sein.

Sie: Ja kann man eh nur nehmen wie’s ist.

Inzwischen waren meine Haare gefärbt und wenig geschnitten. Zum Abschluss wurden sie noch aufgelockt  und mit einer leichten Fönwelle gepeppt. Ich verließ den Friseur beschwingt. Alles in allem um 50 Euro.

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Bevor ich mit der Arbeit beginnen wollte, ging ich noch eine Runde Laufen. Es war schon der spätere Vormittag erreicht und die Temperaturen stiegen tatsächlich über zwanzig Grad. Frisurtechnisch und auch temperaturmäßig wäre die umgekehrte Reihenfolge sinnvoller gewesen. Trotzdem wurden die Gelenke bandagiert und eine Runde gewählt, die in meinen guten Zeiten die Auslaufrunde war, bei der aber doch einige Höhenmeter zu überwinden waren. Wieder alles geschafft, die Fönwelle hielt zwar nicht und es wird weiter gelaufen.

Lieblingslaufstrecke am 31.12.2014 in Italien

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Der 66. Eurovision Song Contest findet gerade im Pala Alpitour in der italienischen Stadt Turin statt, nachdem die italienische Band Måneskin mit dem Titel Zitti e buoni den Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam gewonnen hat. Wer wird gewinnen?

 

Frau Krautundrübe

 

 

 

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