Lukullisches im Urlaub

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Der Urlaub kommt näher und ich beginne bereits Dinge, die man leicht vergessen kann (und worüber ich mich auch ärgern würde, dass ich sie vergessen habe), gut sichtbar im Haus zu positionieren. Dazu zählen zum Beispiel die Wasserschuhe für steinige Küsten, oder der Gummihammer, die Campingleuchte und ein Feuerzeug. Nicht vergessen darf ich zum Beispiel den Dosenöffner und einen Schneebesen, den ich zum Einrühren der Packerlsuppe brauche. „Industriesuppe“ (© Herr Kind 2 für Packerlsuppe) und „Industrienudeln“ gibt es bei uns nur im Urlaub, davon aber reichlich für jeden Tag. Von den Industrienudeln in Tomatensauce mit Mozzarella werden sogar 2 Packungen am Tag auf Vorrat berechnet. Dazu gibt es Instant Cafe, jede Menge Knabbernossi und Leberaufstrichdosen sowie – ganz wichtig – Nutella und Cornflakes. Auf frisches Obst im Süden würde ich gerne verzichten – außer den Weintrauben -, da Gemüse und Obst im Süden tatsächlich frisch und reif sind und im Gegensatz zum spanischen Obst oder holländischem Gemüse, das sich wochenlang im Kühlschrank hält,  bereits nach einem Tag gegessen werden muss. Außerdem lockt es Ameisen an und das reife, triefende Obst macht Flecken aufs Gewand, was beim Campen nicht vorteilhaft ist. Den reifen Tomaten und den aromatischen Paprikas, den Fisolen und den Pfirsichen und Nektarinen kann ich allerdings schwer widerstehen.

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Wir gehen auch Essen im Urlaub. In Griechenland ist die Vorfreude auf das erste Tsatziki und den ersten Souvlakispieß oder Moussaka immer sehr groß. Spätestens nach dem 3. Mal Essen-Gehen bleiben die fettigen Spieße und das üppige Moussaka übrig und nur mehr die „Patates“ und die Tomatengarnitur schmecken, sodass wir uns mit der Zeit gerne auf unsere Industrienudeln in unserer Campingküche verlassen. Ich möchte hier aber keinesfalls die griechische Küche diskreditieren. Während meiner vielen und langen Aufenthalte in Athen hatte ich oft die Gelegenheit, die richtige griechische Küche kennenzulernen. So gibt es für mich die besten Meze im Όξο Νου oder Kotopoulo in Rotweinsauce bei der Ροζαλία, oder einfach nur moderne griechische Küche im „Άμα Λάχει – Στης Νεφέλης“.  Ebenso in Rom, wo ich meine beste Carbonara mit original am Tisch aufgeschlagenem Ei von Nonnen serviert bekam, in Lissabon in einer Imbissbude Kaninchen und den besten Fisch wo gibt verspeiste. Das waren alles glückliche Zufälle oder Insidertipps, von denen ich beim Reisen nicht ausgehe, sie immer zu finden oder zu bekommen. Deshalb bleibt es bei uns oft unkompliziert im Urlaub mit lukullischen Fertiggerichten.

Erstes Souvlakiessen nach Ankunft in Griechenland in Dimitsana

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Auf unkulinarische Urlaube wurde ich bereits seit meiner Kindheit eingestimmt. Als begnadete Camper suchten meine Eltern sehr verlassene Buchten auf, von denen es mit dem Auto eher mühsam war, wieder wegzukommen. Eingekauft wurden Tomaten, Melanzani und Zucchini sowie Schafskäse und Oliven am Markt. Dementsprechend wenig abwechslungsreich war das Essen. Dafür gab es jede Menge schöne Sonnenuntergänge und viel Spaß, Meer und Sonne.

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Bei meiner ersten Interrailreise bis nach Portugal aßen wir nichts und kamen dementsprechend hungrig und abgemagert nach einem Monat nach Hause zurück. Ich erinnere mich allerdings noch an das Pan Bagnat – Sandwich à la Südfrankreich, das wir in Frankreich an der Cote d’Azur gegessen haben.

In meinem Maturajahr und danach fuhr ich in die Türkei und dann oft nach Griechenland. Wir wollten möglichst lange bleiben und das Geld für Essen zu verplempern, war undenkbar. Unmittelbar nach meiner Matura reiste ich mit Zug, Bus und Dolmus in und durch die Türkei. Es war meine erste wirklich beeindruckende Reise, erinnern kann ich mich – was die Kulinarik betrifft – hauptsächlich an die Sesamkringel, die Simits und an den Çay, von dem ich bis heute nicht genug bekommen kann.  Bei unseren Trampertouren durch Griechenland ernährten wir uns hauptsächlich von Tiropita, Spanakotiropita und Giros. Das gab dementsprechend aus und war billig.

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Die damals kleinen Krautundrüben-Kinder waren prinzipiell skeptische Esser*innen, dementsprechend wurde fremdes Essen in Lokalen misstrauisch beäugt und beschränkte sich auf ein Stück Pizza (wo meistens der Käse nicht passte), ein Stück Fleisch, das zu knubbelig war, Gemüse wurde verweigert, satt wurden sie mit Pommes, wobei sie von den Packerlsuppen und Packerlnudeln nicht genug bekommen konnten. Dazu gesellten sich in zunehmendem Alter auch noch Cornflakes und Nutella.

  

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Wir waren lange nicht mehr in Kroatien und freuen uns auf Cevapcici, Pleskavica und Kalamari. Ich will trotzdem vorbereitet sein und werde viele Industriesuppen und Industrienudeln besorgen. Man weiß ja nie!

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Favourite: Calexico feat. TAKIM

 

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