Schlechte Homeofficerin auf dem Weg in den Norden des Landes

Veröffentlicht am Keine Kommentare zu Schlechte Homeofficerin auf dem Weg in den Norden des Landes

Heute habe ich mich für Home-Office entschieden. Es ist eine pragmatische Entscheidung wegen dem Autofahren. Eigentlich will ich ja Zugfahren, aber das ergibt sich nicht. Ich fahre täglich Auto, fühle mich aber dem Zugfahren verpflichtet. Autofahren ist bequem und deshalb steigen wir täglich morgens in das Auto. Abgesehen davon erspare ich mir Diskussionen mit dem Pubertier bezüglich dem morgendlichen Aufstehen. Erziehungstechnisch sollte ich diesen Fehler beim dritten Kind nicht wiederholen, aber ich bin zu schwach dafür. In diesem Moment sehe ich vor meinem Haus gerade zwei Buben mit schweren Schultaschen vorbei gehen, die auf dem Weg nach Hause sind. Sie bleiben stehen und einer der beiden Jungs erzählt dem anderen Buben etwas – offenbar Spannendes. Dieser hört mit gesenktem Kopf zu und kickt dabei mit der Fußspitze in den Asphalt, dabei wirkt er so, als ob er scharf am Überlegen ist. Sie schlendern langsam weiter. Ich finde ja, dass der Schulweg einen wichtigen sozialen Part in punkto Schule einnimmt, und erinnere mich an meine eigene Schulzeit, wo wir uns während des Unterrichts Zettelchen zusteckten mit der Frage, wer mit wem von der Schule heimgeht. Leider gibt es für viele keinen Schulweg, da sie mit dem Auto gefahren werden wollen – so wie die Krautundrübenkinder.

++++

Ich bin heute jedenfalls keine vorbildliche Homeofficerin. Ich schalte zwar frühmorgens meinen PC ein und beantworte ein paar Emails, weil das immer gut kommt, wenn man frühmorgens Emails beantwortet, habe aber nicht vor, mich vor dem PC einzurichten. Ich schalte den Ton an, um den Signalton der reinkommenden Mails auch in einer weiteren Entfernung zu hören. Es folgt Hausarbeit. Nach der Corona-Infektion von Herrn Krautundrübe fällt sehr viel Bettwäsche an, die sich heute lohnt, zu waschen, da sie im Freien gut trocknen kann. Das Wetter ist durchaus frühlingshaft, sodass ich meine Laufrunde nach draußen verlegen hätte können. Es ist mir trotz der eigentlich akzeptablen Temperaturen zu kühl, sodass ich mich für das Laufband im Gym entscheide, wo ich meinen Trainingsplan mit abwechslungsreichem Intervalltraining fortsetzen kann. Beim Betreten des Gyms fängt mich sogleich der junge Gym-Mann ab, um mich für eine Challenge zu gewinnen. #letsmoveforabetterworld steht auf dem gelben T-Shirt, das ich nach einem Fotoshooting erhalte. Nach dem Checken der Aufnahmen macht mich der junge Gym-Muskelprotz darauf aufmerksam, dass ich die Bilder auch nicht veröffentlichen muss, d. h. ich könnte sie auch zurück ziehen. Hmm warum aber? Damit kann ich gut leben! (Das Ziel sind bei diversen Cardio-Aktivitäten möglichst viele ‚Moves‘ – zu sammeln, die dann für die Gesamtwertung zusammen gezählt werden.)

++++

Ich erwarte das Pubertier, der von der Schule pünktlich nach Hause kommt, um über das Wochenende in den Norden zur Krautundrüben-Schwesternfamilie zu fahren. Geplant war mit dem öffentlichen Bus in den Norden des Landes zu reisen, was sich aber mit dem Pubertier-Kind im Talon wegen der zu frühen, schuluntauglichen Abfahrtszeiten nicht ausgeht, deshalb steht mir eine Nord-Süd-Durchkreuzung des Landes per Auto bevor (Herr Krautundrübe laboriert noch an seiner Corona-Infektion, womit das Beifahrerlos wegfällt.). Der angekündigte Sturm trifft wie prognostiziert gegen Abend ein. Die Wolken bewegen sich dementsprechend schnell und die Sturmfront zeigt sich von Westen kommend durch dicke graue Wolken, die bei Sonnenschein noch bedrohlicher wirken. Wir fahren in die Stadtautobahn ein und mir fällt ein, dass ich eigentlich nachsehen wollte, wie ich mit dem Auto zum Krautundrüben-Schwesternhaus komme (Diesen Part übernimmt für gewöhnlich Herr Krautundrübe.).  Ich verlasse mich sehr auf mein Gefühl, bis ich aus der Stadt wieder hinausfahre in nördliche Richtung. Irritiert bin ich auch, da ich gleichzeitig nach einer Tankstelle Ausschau halte, weil das Kontroll-Lämpchen schon recht lange leuchtet. Alles in allem schaffe ich es mit dem Navigationstalent des Pubertieres zum Haus der Krautundrüben-Schwester. Schnell alle abgebusselt, einen Kaffee getrunken, das Pubertier im Auge behalten, ob er sich mit den Krautundrüben-Cousins wohl fühlt, und dann fürs Konzert umgezogen.

++++

Gemeinsam mit der Krautundrüben-Schwester fahre ich zum Posthof, wo das Konzert von Dota (der Kleingeldprinzessin) stattfinden soll. Ich war schon lange nicht mehr in der Stadt. Ich bemerke weite langgezogene Häuserzeilen mit Gemeindewohnungen und sehr breite Straßen. Es regnet und wir kommen in eine Art Industrieviertel, was der „Hafen“ der Stadt ist. Es ist ungemütlich wegen dem Regen und dem Wind, der hier an der Donau noch intensiver pfeift. Schnell betreten wir das Lokal beim Posthof. Die Menge war eindeutig überschaubar, ich erblicke an einem Tisch Dota und ihren Duo-Partner. Wir geben unsere Jacken ab und gehen in den kleinen Saal, wo ich einen Stehplatz ganz vorne ergattere. Trotz des überschaubaren Publikums spielt Dota ihre Lieder souverän, gespickt mit vielen Erzählungen und mit Sich-Selbst-Auf-Die-Schaufel-Nehmen, was sie diesmal ganz besonders sympathisch und unterhaltsam macht (- ich finde sie nicht immer unterhaltsam und sympathisch). Sie interagiert gekonnt mit dem Publikum und schenkt uns am Schluss ein ‚Feuerwerk‘ ihrer größten Hits.

„Ich hab die Blumen weggeworfen und die Katze verschenkt, lass uns aufbrechen Baby“ – Aus „Rennrad“, einer der fröhlichsten Lieder von Dota.

Frau Krautundrübe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert