Es ist wieder der 5. des Monats, und die Tagebuchblogger*innen finden sich bei Frau Brüllen ein, die fragt #WMDEDGT, oder „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“.
Ich wache bereits gegen halb 5 Uhr auf, weiß aber, dass ich noch Schlaf brauche. Trotzdem gehe ich eine Runde durch den frühmorgendlichen Garten. Es ist angenehm frisch, ein sonniger Tag kündigt sich an, die Vögelchen beginnen zu zirpen. Sie zirpen noch kräftig, wo sie doch ihren Gesang im Sommer einstellen sollen, wenn die Hauptbrutzeit endet. Da der Gesang vor allem der Reviermarkierung und Partnersuche dient, wird er danach nicht mehr benötigt. Ob der kräftezerrende Gefiederwechsel bei den Singvögeln auch nach der Brutzeit stattfindet, weiß ich nicht, *grübel. Ich hole die Zeitung aus dem Postkasten, überlege kurz, ob ich doch schon einen Kaffee trinken soll, lege mich dann aber nochmals schlafen. Meine Müdigkeit bedingt sich aus meiner gestrigen weiten Wanderung und dem späten Zubettgehen gegen 1 Uhr.
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Ich schlafe schließlich noch ein gutes Stück bis 9 Uhr, als es im Schlafzimmer bereits zu warm für einen weiteren angenehmen Schlaf ist. Draußen Sonnenschein und blauer Himmel, ich bereite mir Kaffee und setze mich zum Zeitunglesen in den Garten. Eigentlich hätte ich eine weitere Wanderung geplant, aber ich fühle mich irgendwie gerädert. Zumindest widme ich mich meiner Packliste für die Sommerwanderung und notiere die Dinge, die ich noch besorgen muss wie Superkleber oder Minigaffaband – alles sollte möglichst leicht sein, damit das Rucksackgewicht nicht zu hoch wird. Inzwischen kommt wieder starker Wind auf, der Staub und Erde aufwirbelt. Es hat schließlich seit Wochen nicht mehr geregnet. Die Wiese trocknet täglich mehr aus. Manifestieren sich nun auch schon bei uns Tiefdruckzeiten in Form von starkem Wind wie im Süden? Die Wiese trocknet zumindest zunehmend aus. Die Bäume lassen die Blätter kraftlos hängen.
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Der weitere Tagesverlauf bleibt unspektakulär mit Haushalt, weiteren Urlaubsvorbereitungen und am Nachmittag einem lieben Besuch mit gemütlichem Sitzen und Tratschen unter der Platane. Der Wind bleibt aber stark böig und teilweise steigen Staubfontänen auf der Straße auf. Hinter den großen Eschen am Bach werden schließlich hohe Wolkentürme sichtbar, die sich aber sogleich wieder verflüchtigen. Der Wind scheint sie nicht zuzulassen, als plötzlich doch ganz feine Regentropfen zu spüren sind. Es ist vorerst ein Nieseln in der Sonne, das plötzlich stärker wird und sich zu einem richtigen, nur wenige minutenlangen Regenguß entwickelt. Die Erde wird gerade so nass, dass sich dieser unverkennbare Geruch breitmacht. Wer weiß aber schon, dass es dafür einen eignen Begriff gibt? Petrichor nennt man das, was von australischen Mineralogen so in den 1960er Jahren definiert wurde. Es entsteht aus einer Substanz, die Pflanzen in Trockenperioden an den Boden abgeben und von den Regentropfen in der Luft verteilt werden. Dazu kommt noch ein von Bakterien gebildeter Stoff, das Geosmin, das schließlich nach Erde riecht. Dieser Geruch macht ausschließlich – wie jetzt gerade – nach dem heißersehnten Regen bemerkbar, verschafft oft angenehme Gefühle, ja fast Glücksgefühle. Außerdem können wir Petrichor auch in winzigen Mengen von nur 5 Nanogramm pro Liter Wasser erschnuppern. Das soll noch auf evolutionäre Entwicklungen zurückgehen, wo der Geruch von Regen auf Pflanzenwachstum, Wasservorrat und fruchtbare Böden zurück geht.
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Dieses evolutionär bedingte Glücksgefühl ist allerdings schnell wieder vorbei. Die Sonne setzt sich wieder durch. Ich gieße noch die empfindlichen Pflanzen, möchte mit dem Pubertier den Rucksack für die bevorstehenden Sporttage packen, werde harsch abgewiesen, bereite meinen eigenen Arbeitsrucksack vor. Als es im WM-Spiel Brasilien gegen Norwegen noch 0:0 steht gehe ich schlafen. Ich öffne das Fenster im Schlafzimmer weit, nehme noch einen tiefen Atemzug und meine, noch ein Nanogramm Perichor erschnuppert zu haben.
Frau Krautundrübe