Grundsätzlich erreichen Trends zur Longevity kaum meine Aufmerksamkeit. Die unzähligen Bücher und täglichen Zeitungsartikel zum gesunden Leben und zu den Maßnahmen zur Verlängerung der Healthspan durch Lebensstil, Prävention und Gesundheitsoptimierung erwecken kaum mein Interesse. Plattitüden zum Verzicht von stark verarbeiteten Lebensmitteln zugunsten von viel Gemüse, Coachpotatoes zugunsten von gesunder Bewegung, Handyverzicht zugunsten eines gesunden Schlafs und kein brummeliges Verkriechen zugunsten von Kaffeetratsch und Kegelabenden gehören mittlerweile zum Täglichen.
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Umso überraschender trifft mich die Flut von Threads auf Instagram zu lymphatischen Turnübungen, die mich durchaus ansprechen und die ich sehr konsequent seit einiger Zeit morgens durchführe, egal ob mit Blick auf noch blühende Bougainvilleas an der türkischen Südküste oder mittlerweile zu Hause in meinem herbstlichen Garten. Ob die Übungen tatsächlich den Lymphfluss in Gang setzen, kann ich nicht beurteilen. Dass das Pendeln der Arme, das Kreisen der Beine, das Boxen, Twisten und Springen bei nur 1 Minute pro Übung mich tatsächlich in Schwung bringen, erstaunt jetzt weniger, als dass es mich begeistert. Vor allem das Springen ist oft eine für Erwachsene selten gewordene Bewegung. Im Falle eines beanspruchten Beckenbodens oder schwacher Gelenke birgt es auch gewisse Risiken und man sollte mit dem Hüpfen vorsichtig beginnen. Ich habe hier bereits ein Hüpf-Rüttelstadium erreicht, dass mich in jedem Fall energievoll in den Tag starten lässt. Ob es noch dem Lymphfluss dient, kann ich nicht beurteilen, jedenfalls kostet es mich nur ein paar Minuten am Tag und schenkt mir Energie.
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Es könnte daran liegen, dass die Trends zur Longevity eher Frauen ansprechen, die insgesamt angeblich auch mehr auf ihre Gesundheit achten, dass es einen Weltmännertag braucht. Der Weltmännertag war dieser Tage, wo sich aber nicht die Männer an sich feiern, sondern auf ihre Gesundheit aufmerksam machen. Eine wichtige weltweite Aktion von Männern an Männer gerichtet ist der Movember. Ein sehr gutes Beispiel für ein Kofferwort, das sich aus Mo für Moustache bzw. Schnurrbart und November zu Movember zusammensetzt. Männer wollen auf Männergesundheit und die Vorsorge dazu vor allem hinsichtlich der steigenden Zahlen von Proststa- und Hodenerkrankungen hinweisen. Einen wichtigen Fokus richten sie auch auf die psychische Gesundheit von Männern. Der Movember ist somit eine Art Fundraising, um Spenden für die weitere Erforschung dieser ausschließlich Männer betreffenden Krankheiten zu lukrieren. Die Aktionen dazu sind durchaus originell, so startet der Mann am 1. November glatt rasiert und lässt sich im weiteren Monatsverlauf einen Schnurrbart wachsen. Alternativ oder zusätzlich können Teilnehmer auch 60 km gehen oder joggen, das wäre dann als Move-mber zu verstehen. Warum gerade 60 km? Weltweit sterben stündlich 60 Männer durch Suizid. Sehr traurig. Die Aktionen sind übrigens über eine Stiftung organisiert, die weitgehend von Australien aus in 21 Ländern koordiniert wird.
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Es ist hier nur die Sache mit dem Bart. Die Idee ist ja an und für sich originell und ein Schnurrbart kann sehr kreativ und originell gestaltet sein. Ich lese in einer Kolumne meiner Tageszeitung über den Goatee, den Ziegenbart, der als Pendant zu den Dreadlocks in den 1990ern der Schrecken der bürgerlich-konservativen Gesellschaft war. Der offenbar polarisierende Ziegenbart soll wieder im Trend liegen. Mir soll es recht sein – solange der Ziegenbart neben weiblichem Widerspruch auch einen Beitrag zur psychischen Männergesundheit leistet.
Frau Krautundrübe