Nur Kleinigkeiten

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Eine der ersten Handlungen nach dem Aufstehen sind nach wie vor die Kabel, die ich wegräume. An fast jeder Steckdose hängt ein Ladekabel, das mich selbst meist nicht unmittelbar betrifft, aber stört, weil ich selbst nur ein Ladekabel für mein Handy und eines für meinen Laptop benötige. Dabei genieße ich den Vorteil, dass meine Kabel für den Rest der Krautundrübens vollkommen uninteressant sind, da ich weder iPhone noch MacBook besitze und so meine eigene Kabel-Managerin bin. Ich überlege allerdings, mir einen Kopfhörer zum Aufladen, also mit Ladekabel, zuzulegen, um während meines Türkei-Aufenthalts weiter meine griechischen Spracheinheiten zu üben. Es würde bei meinen türkischen Kolleg:innen Verwunderung auslösen. Meine Türkischkenntnisse stagnieren nämlich merklich, da ich mir keine neuen Vokabeln merke und die Grammatik sich von der Neugriechischen wesentlich unterscheidet, weshalb ich so alles durcheinander bringe. Für den Kopfhörer würde ich ein Kabel benötigen, um ihn aufzuladen, nachdem ich nun weiß, dass man Kopfhörer, um sie kabellos verwenden zu können, aufladen muss.

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Das Sprachenlernen tu ich mir an, weil ich es tatsächlich beruflich brauche und auch gute Fortschritte in den Unterhaltungen mache, wobei ich oft Vokabeln vergesse und feststelle, dass es nicht mehr besser wird mit dem Merken. Die Vergesslichkeit meldet sich wiederholt zu Feiertagsbeginn, als ich im Genussladen eines Baumarktes stehe. Es ist keiner dieser großen Baumarktketten, sondern wird vom regionalen Landwirteverband getragen, wo man allen notwendigen Garten- und Haushaltskram bekommt. Neuerdings gibt es dort auch einen Genussladen, den ich mag. Man bekommt dort zwar ähnliche Produkte, wie auf einem Bauernmarkt, kann aber besser schmökern. Eigentlich wollte ich mir nach meiner morgendlichen Dienstagsvorlesung ein Wasser kaufen, um anschließend durstfrei nach Balkonblumen zu suchen, stoße aber auf unterschiedliche Weine, wie zum Beispiel einer Flasche HUGO. Ich kann unmittelbar mit dieser Bezeichnung nichts anfangen, vermute aber Wein mit süßem Holundersaft, sehe dann aber ein kleines Fläschen Isabella Frizzante, das ich mir sofort schnappe in Anbetracht des beginnenden Feiertags und einer Erinnerung an einen Isabella Frizzante, die sich mir nicht erschließt. Ich erinnere mich wohl, irgendwann in Gesellschaft ein Glas Isabella Frizzante getrunken zu haben, der so gut war, dass ich sofort ein zweites Glas Isabella Frizzante getrunken hätte, was aber die Situation, an die ich mich nicht erinnern kann bzw. vergessen habe, nicht erlaubte. Ich sehe mich in meiner Erinnerung dort sitzen, an diesem Tisch. Ich nehme das kleine Fläschen Isabella Frizzante und gebe es in meinen Einkaufkorb. Wenig konzentriert widme ich mich dem Aussuchen der Balkonblumen in Anbetracht meiner Vergesslichkeit. Es dauert einige Stunden bis ich mich an die Situation wieder erinnern kann und mir einfällt, dass es der traditionelle Abschluss des gemeinschaftlichen Frühstücks mit der Lehrer-Frühstücksrunde war und ich mir selbst ob der Vormittagszeit nicht erlaubte, ein weiteres Glas Isabella Frizzante zu bestellen. Zufrieden kann ich mich wieder meinen abendlichen Vorhaben widmen, wobei ich meine gelesen zu haben – vielleicht abermals in einem bunten Journal während eines Friseurbesuchs, dass der Verzehr von viel Knoblauch, ein reges Sozialleben und viel Bewegung und Sport der Vergesslichkeit entgegen wirken würden. Nachdem heute weder Knoblauch noch Reden mit Menschen in Frage kommen, drehe ich eine Laufrunde, um dann entspannt ein und ein zweites Glas Isabella Frizzante zu genießen.

Frau Krautundrübe

 

 

 

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